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Shishkin im Gespräch mit Prof. Schmidt

Michail Shishkin - Schreiben gegen den Krieg

 

Am 2. Juli 2025 fand in der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung (ALP) in Dillingen eine Lesung und ein Gespräch mit dem russischen Exil-Schriftsteller Michail Schischkin zum Thema „Schreiben gegen den Krieg“ statt. Schischkin, einer der bekanntesten russischen Gegenwartsautoren, lebt seit Mitte der 1990-er Jahren in der Schweiz. Da er sich öffentlich sehr kritisch gegen die Politik Putins äußert, dürfen seine Texte in der Russischen Föderation nicht mehr erscheinen und gehandelt werden. In den 2000er Jahren wurde er in Russland noch mit den drei wichtigsten Literaturpreisen ausgezeichnet. Seine Texte, Romane oder Essays, u. a. „Die russische Schweiz“ (Русская Швейцария, Путеводитель), „Die Eroberung von Ismail“ (Взятие Измаила) und „Venushaar“ (Венерин волос) wurden in viele Sprachen übersetzt. Er stellt sie der russischen Leserschaft inzwischen kostenlos auf seiner Homepage zur Verfügung.

In seiner Lesung trug er den schon vor zwei Jahren erschienenen, aber immer noch aktuellen Text „Russische Deutschstunde mit Thomas Mann“ vor. Thomas Mann beschreibt vom Exil aus die verheerende politische, ideologische und kulturelle Situation in Nazi-Deutschland in den 1930-er Jahren. Schischkin nimmt in seinem Text die Stellungnahmen Th. Manns auf, ändert aber u. a. das Land „Deutschland“ in das jetzige „Russland“ um, das gegen die Ukraine Krieg führt.

Die Aussagen in Schischkins Text sind wieder aktuell und stellen neue Parallelen dar: Russland werde auf absehbare Zeit nicht mit russischer Musik und Literatur assoziiert, sondern mit Bomben … Deutschland gehe vor den Augen des Schriftstellers zu Grunde, ruiniert von Hitler und seinem Krieg. Jetzt geht Russland vor unseren Augen unter. Th. Mann verteidigte seine Sprache gegen die Nazi-Barbarei. Und jetzt sollten die russischen Schriftsteller ihre Sprache gegen das Putin-Russland verteidigen.

Im Anschluss an die Lesung wurde der Text Schischkins in einem Gespräch mit dem Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Ulrich Schmid von der Universität St. Gallen kommentiert und diskutiert. Prof. Dr. Ulrich Schmid ist einer der versiertesten Kenner slawischer Literaturen, was vor allem auch für die Literatur seines Freundes Schischkin gilt. In diesem Gespräch, an dem sich auch interessierte Zuhörer beteiligen konnten, wurde auf die aktuellen Probleme einer modernen, ideologiefreien russischen Literatur eingegangen.

Am nächsten Tag führten Michail Schischkin und Ulrich Schmid ihr Gespräch mit neuen Aspekten anhand des Textes „Ке фер сто лет спустя“ in Anlehnung an eine Erzählung von Nadezhda Teffi – jetzt zusammen mit den Lehrgangsteilnehmern – weiter.

Insgesamt waren beide Veranstaltungen im Rahmen des ALP-Lehrgangs zu „Methodischen und inhaltlichen Anregungen für den kompetenzorientierten Unterricht im Fach Russisch“ eine große Bereicherung. Der ALP ist zu danken, dass es ihr gelungen ist, zwei sehr kompetente Kenner der aktuellen russischen Literatur und der jetzigen ideologischen Situation in Russland für diese Fortbildungsveranstaltung zu gewinnen.

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Michail Shiskin im Gespräch mit der Vorsitzenden des RuLVB, Gabriele Mages und ihrer Stellvertreterin, Anne Allen

 

Literaturhinweis:

Der Text „Russische Deutschstunde mit Thomas Mann“ ist erschienen auf den Internetseiten:

https://mikhailshishkin.com/publizstik/#Russische%20Deutschstunde%20mit%20Thomas%20Mann

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/thomas-manns-radio-ansprachen-erklaeren-den-ukraine-krieg-18589720.html